Steuern zahlen ist Bürgerpflicht, aber niemand muss mehr zahlen als nötig. Das österreichische Steuersystem bietet zahlreiche legale Möglichkeiten zur Optimierung. In diesem umfassenden Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Steuerlast reduzieren und mehr von Ihrem hart verdienten Geld behalten können.

Die Grundlagen des österreichischen Steuersystems

Österreich hat ein progressives Steuersystem. Je mehr Sie verdienen, desto höher ist Ihr Steuersatz. Aktuell liegt der Spitzensteuersatz bei 55 Prozent für Einkommen über einer Million Euro. Für die meisten Arbeitnehmer liegt der Steuersatz zwischen 20 und 42 Prozent.

Wichtig zu verstehen: Es gibt einen Unterschied zwischen Steuervermeidung und Steuerhinterziehung. Steuervermeidung bedeutet, legale Möglichkeiten zur Reduktion der Steuerlast zu nutzen. Das ist völlig legal und sogar vom Gesetzgeber gewollt. Steuerhinterziehung hingegen ist illegal und wird strafrechtlich verfolgt.

Werbungskosten optimal nutzen

Werbungskosten sind Ausgaben, die mit Ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhängen. Jeder Arbeitnehmer hat automatisch einen Pauschalbetrag von 132 Euro pro Jahr. Liegen Ihre tatsächlichen Werbungskosten höher, können Sie diese absetzen und so Steuern sparen.

Typische Werbungskosten sind Fachliteratur, Fortbildungen, Arbeitskleidung, Werkzeug und natürlich die Pendlerpauschale. Wenn Sie mehr als 20 Kilometer zur Arbeit fahren, steht Ihnen die Pendlerpauschale zu. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln zusätzlich das Pendlereuro.

Auch ein Arbeitszimmer kann unter bestimmten Voraussetzungen abgesetzt werden. Es muss der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit sein und ausschließlich beruflich genutzt werden. Bis zu 1.250 Euro pro Jahr sind möglich. Bei Homeoffice ohne eigenes Arbeitszimmer gibt es seit 2022 eine Homeoffice-Pauschale von 3 Euro pro Tag, maximal 100 Tage.

Sonderausgaben geschickt einsetzen

Sonderausgaben sind Ausgaben der privaten Lebensführung, die steuerlich absetzbar sind. Dazu gehören Versicherungen, Spenden und Kirchenbeiträge. Bei Versicherungen sind bis zu 60 Prozent der Prämien absetzbar, maximal jedoch bestimmte Höchstbeträge.

Lebensversicherungen und private Pensionsversicherungen sind besonders interessant. Die Prämienbegünstigung erlaubt es, jährlich bis zu einem Viertel Ihres Bruttoeinkommens, maximal jedoch 3.133 Euro, steuerlich geltend zu machen. Das kann Ihre Steuerlast erheblich senken.

Auch Spenden an begünstigte Organisationen sind zu 10 Prozent absetzbar, seit 2024 sogar ohne Obergrenze. Unterstützen Sie ohnehin gemeinnützige Organisationen, denken Sie an die steuerliche Absetzbarkeit. Die Organisationen übermitteln die Spenden meist automatisch ans Finanzamt.

Außergewöhnliche Belastungen geltend machen

Außergewöhnliche Belastungen sind unvermeidbare Ausgaben, die über das normale Maß hinausgehen. Dazu gehören Krankheitskosten, Pflegekosten, Begräbniskosten oder Katastrophenschäden. Ein Selbstbehalt wird abgezogen, der vom Einkommen und der Familiensituation abhängt.

Besonders bei chronischen Krankheiten oder Behinderungen können erhebliche Beträge absetzbar sein. Auch Kosten für Zahnersatz, Brillen oder Therapien können geltend gemacht werden, sofern sie medizinisch notwendig sind. Bewahren Sie alle Belege sorgfältig auf.

Familienbeihilfe und Absetzbeträge optimal nutzen

Familien profitieren von zahlreichen steuerlichen Begünstigungen. Der Alleinverdienerabsetzbetrag steht zu, wenn ein Partner deutlich weniger oder gar nicht verdient. Mit Kindern erhöht sich dieser Betrag erheblich. Der Kinderfreibetrag von 440 Euro pro Kind und Jahr kann zusätzlich geltend gemacht werden.

Der Familienbonus Plus bringt bis zu 2.000 Euro pro Kind und Jahr an Steuerersparnis. Er wird automatisch bei der Lohnverrechnung berücksichtigt, kann aber auch nachträglich in der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden. Für Kinder ab 18 Jahren gibt es noch 650 Euro.

Investitionen steuerlich optimieren

Auch bei Geldanlagen können Sie Steuern sparen. Die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent ist zwar unausweichlich, aber durch geschickte Gestaltung können Sie die Steuerlast optimieren. Verluste aus Wertpapiergeschäften können mit Gewinnen verrechnet werden.

Bei der prämienbegünstigten Pensionsvorsorge profitieren Sie von steuerlichen Vorteilen während der Ansparphase. Die Auszahlung im Alter ist dann zwar steuerpflichtig, aber oft zu einem niedrigeren Satz. Das kann sich langfristig lohnen.

Immobilien bieten ebenfalls Steuervorteile. Vermietungseinkünfte können mit zahlreichen Kosten wie Instandhaltung, Abschreibungen und Kreditzinsen verrechnet werden. Eine vermietete Immobilie kann in den ersten Jahren sogar steuerliche Verluste generieren, die mit anderen Einkünften verrechnet werden können.

Die Arbeitnehmerveranlagung nicht vergessen

Viele Arbeitnehmer verschenken Geld, weil sie keine Arbeitnehmerveranlagung machen. Dabei ist das oft einfacher als gedacht und bringt im Schnitt 400 bis 500 Euro Rückzahlung. Seit einigen Jahren können Sie die Veranlagung bequem online über FinanzOnline durchführen.

Das Finanzamt fordert Sie mittlerweile sogar automatisch zur Veranlagung auf, wenn eine Rückzahlung wahrscheinlich ist. Trotzdem sollten Sie es nicht darauf ankommen lassen. Die Veranlagung ist bis zu fünf Jahre rückwirkend möglich. Haben Sie mehrere Jahre nicht gemacht, können Sie jetzt noch profitieren.

Steueroptimierung bei Selbstständigen

Selbstständige haben noch mehr Möglichkeiten zur Steueroptimierung. Alle betrieblichen Ausgaben sind absetzbar, von Büromaterial über Fahrtkosten bis zu Geschäftsessen. Eine saubere Buchhaltung und gute Dokumentation sind dabei entscheidend.

Die Kleinunternehmerregelung kann bei geringen Umsätzen sinnvoll sein. Sie sparen sich die Umsatzsteuer-Voranmeldung und Bürokratie. Allerdings können Sie dann auch keine Vorsteuer geltend machen. Rechnen Sie genau, was für Sie vorteilhafter ist.

Altersvorsorge und Steuervorteile kombinieren

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge kombiniert Altersvorsorge mit Steuervorteilen. Der Staat zahlt eine Prämie von bis zu 4,25 Prozent auf Ihre Einzahlungen. Die Auszahlung ist später steuerfrei, sofern Sie das Geld mindestens 10 Jahre einzahlen und erst ab 50 auszahlen lassen.

Auch die betriebliche Altersvorsorge bietet Steuervorteile. Arbeitgeberbeiträge sind bis zu bestimmten Grenzen steuer- und sozialversicherungsfrei. Das erhöht Ihr Nettoeinkommen, ohne dass der Arbeitgeber mehr zahlen muss. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach Möglichkeiten.

Häufige Fehler vermeiden

Ein häufiger Fehler ist, Belege nicht aufzubewahren. Das Finanzamt kann jederzeit Nachweise verlangen. Bewahren Sie alle Rechnungen und Belege mindestens sieben Jahre auf. Digitale Kopien sind meist ausreichend und erleichtern die Organisation.

Viele Menschen scheuen die Arbeitnehmerveranlagung aus Angst vor Fehlern. Diese Sorge ist unbegründet. Das Finanzamt prüft Ihre Angaben und fordert bei Unklarheiten nach. Im schlimmsten Fall wird ein Punkt nicht anerkannt, aber Nachteile entstehen Ihnen dadurch nicht.

Fazit: Steuern sparen ist legal und lohnt sich

Steueroptimierung ist kein Privileg der Reichen, sondern steht jedem offen. Mit den richtigen Kenntnissen und etwas Aufwand können Sie völlig legal mehrere hundert bis tausend Euro im Jahr sparen. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen das Steuerrecht bietet.

Beginnen Sie mit den einfachen Dingen wie der Arbeitnehmerveranlagung und dem Sammeln von Belegen. Informieren Sie sich über Absetzbeträge und Pauschalen, die für Ihre Situation relevant sind. Bei komplexeren Fragen scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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